Rahmenvertrag vs. freie Versicherungsmakler: Was Psychotherapeuten und Psychologen wissen müssen
Als Psychotherapeut oder Psychologe weißt du: Jede Biografie ist individuell. Doch wenn es um die eigene Absicherung geht – sei es Berufsunfähigkeit, Berufshaftpflicht oder private Krankenversicherung – stoßen viele auf sogenannte „Rahmenverträge“ von spezialisierten Anbietern. Was auf den ersten Blick wie ein exklusiver Vorteil wirkt, kann sich bei genauerem Hinsehen als Korsett erweisen. In diesem Artikel erfährst du, warum die Unabhängigkeit in der Beratung oft wertvoller ist als ein vorgefertigtes Vertragswerk.
Was ist eigentlich ein Rahmenvertrag?
Ein Rahmenvertrag ist eine gesonderte Vereinbarung zwischen einem Vermittler und einer Versicherung. Dabei sind die Konditionen der Verträge festgelegt und wenig flexibel.
Vermeintlicher Vorteil: Manche Rahmenverträge bieten vereinfachte Gesundheitsfragen oder vergünstigte Beiträge.
Kehrseite: Man kauft ein Produkt von der Stange.
Die 3 größten Fallstricke von Rahmenverträgen für Psychologen und Psychotherapeuten
Eingeschränkte Tarifauswahl führt zu fehlender Flexibilität
In der Regel besteht für jeden Produktbereich (Berufsunfähigkeitsversicherung, Berufshaftpflicht, Krankentagegeld, Rechtsschutz, …) ein Rahmenvertrag mit einem einzigen Anbieter. Das schränkt die Auswahl enorm ein. Eine wirklich individuelle und bedarfsgerechte Absicherung ist so kaum möglich.
Besonders dann, wenn Vorerkrankungen zu Ausschlüssen oder Zuschlägen führen, sollte man auf eine breitere Auswahl zugreifen können. Jede Versicherung hat eine eigene Risikoprüfung und schätzt die gleiche Vorerkrankung anders ein. So kam es schon vor, dass der gleiche Kunde bei einem Anbieter eine Ablehnung erhalten hat und bei einem anderen Anbieter eine Normalannahme. Daher platziere ich jede Voranfrage bei mindestens 3-4 unterschiedlichen Anbietern (wenn nötig, auch weitere).
Aber nicht nur bei Vorerkrankungen ist eine breite Auswahl an Tarifen wichtig. Die Bedingungen der Anbieter unterscheiden sich in manchen Punkten voneinander. Ein niedergelassener Psychotherapeut muss auf andere Bedingungspunkte achten, als ein angestellter Psychologe, der niemals freiberuflich tätig sein möchte. Ein einzelner Anbieter kann aber in der Regel nicht beide Karrierewege optimal absichern.
Gefahr der Kollektiv-Abhängigkeit
Bestehen Rahmenverträge für bestimmte Berufsgruppen, besteht ein erhöhtes Risiko von Fehlkalkulationen auch beim Versicherer. Tarife, die für alle Berufsgruppen offen sind, streuen das Risiko breiter.
Versicherer führen für Rahmenverträge meist separate Statistiken. Wenn innerhalb dieser speziellen Gruppe überdurchschnittlich viele Schäden gemeldet werden – etwa weil die Annahmerichtlinien im Rahmenvertrag zu locker waren –, wird der gesamte Rahmenvertrag für den Versicherer unrentabel.
Die Konsequenz: Der Versicherer saniert nicht nur einzelne Verträge, sondern den gesamten Rahmenvertrag. Das bedeutet oft massive Beitragserhöhungen für alle, unabhängig davon, ob du persönlich jemals einen Schaden gemeldet hast.
Risiko der vereinfachten Gesundheitsprüfung
Rahmenverträge locken oft durch vereinfachte Gesundheitsprüfungen. Das klingt verlockend, führt aber zu einer negativen Risikoselektion: Menschen mit Vorerkrankungen, die woanders abgelehnt würden, strömen in den Rahmenvertrag. Dies treibt die Schadensfälle in der Gruppe nach oben. Als „gutes Risiko“ (gesund, vorsorgend) subventionieren Sie also dauerhaft die „schlechten Risiken“ der anderen Teilnehmer mit – bis das System durch Beitragsanpassungen instabil wird.
Was ist denn günstiger – Rahmenvertrag oder individueller Vertrag?
Viele Vermittler, die mit Rahmenverträgen arbeiten, preisen ihre Verträge als günstiger an. In der Regel besteht aber kein bzw. kaum ein Unterschied im Beitrag gegenüber dem gleichen Tarif, den du auch über einen freien Versicherungsmakler abschließen kannst.
In beiden Varianten ist in deinem monatlichen Beitrag ein Anteil für die Abschlusskosten enthalten, also die Courtage/Provision, die dein:e Berater:in erhält, sobald du einen Vertrag abschließt. Und dieser Anteil ist in aller Regel identisch, egal ob du über einen Rahmenvertrag abschließt oder in den regulären Tarif einsteigst.
Wie erkenne ich, dass ich über einen Rahmenvertrag abschließe?
Einer der Mitbewerber, wenn es um Versicherungen für Psychotherapeuten geht, ist pluswert. Offiziell ist pluswert ebenfalls ein freier Versicherungsmakler. Jedoch bestehen hier viele Rahmenverträge, teilweise auch in Kooperation mit der DPtV.
Nachzulesen ist das ganz offengelegt auf der Webseite. Den Angaben nach schließe ich darauf, dass sie im Bereich der BU mit der Alten Leipziger kooperieren. Die Alte Leipziger ist auch grundsätzlich ein solider Anbieter und Teil meiner Top-BU-Anbieter. Die Fokussierung auf einen einzigen Anbieter halte ich aber dennoch für nachteilhaft für meine Kund:innen.



Warum die Wahl eines freien Versicherungsmaklers sinnvoller ist
Ungebundene Versicherungsmakler:innen können auf nahezu jeden Tarif am Versicherungsmarkt zugreifen (Ausnahme bilden i. d. R. nur Direktversicherungen sowie stark beschränkte Kollektivverträge).
So ist sichergestellt, dass die Versicherungsverträge genau zu dir und deinem individuellen Risiko passen. Insbesondere bei komplexen Absicherungen wie der Berufsunfähigkeitsversicherung und Krankenversicherungen (PKV sowie Zusatzversicherungen) ist eine flexible und individuelle Auswahl besonders wichtig. Nur dadurch können deine individuellen Anforderungen und Karrierepläne auch Berücksichtigung finden.
Fazit
Wenn du nicht gerade eine blitzsaubere Gesundheitshistorie hast und die Bedingungen des Rahmenvertragspartners zu deinen Wünschen und Bedürfnissen passen, spricht nichts gegen einen Kollektivvertrag. Für alle anderen empfehle ich eine individuelle Beratung mit Zugriff auf mehrere Tarife von unterschiedlichen Anbietern, damit du am Ende auch wirklich das passende Absicherungsprodukt hast.
Eine Beratung bei mir ist grundsätzlich kostenfrei und unverbindlich. Lass uns einfach gemeinsam schauen, was für dich die beste Lösung ist.
