Krankenversicherung für Psychologen
Als Psychologin oder Psychologe stehst Du vor einer zentralen Frage: Welche Krankenversicherung passt wirklich zu Deinem Beruf? Die Krankenversicherung für Psychologen unterscheidet sich in wichtigen Punkten von der Absicherung anderer Berufsgruppen – vor allem, wenn Du selbstständig arbeitest oder eine eigene Praxis führst. Beitragshöhe, Leistungsumfang, Krankentagegeld und die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Ob angestellt, verbeamtet oder freiberuflich tätig: Deine berufliche Situation beeinflusst maßgeblich, welche Krankenversicherung sinnvoll ist. In diesem Artikel erfährst Du, welche Optionen es für Psychologen gibt, worauf Du bei der Auswahl achten solltest und wie Du langfristig eine stabile und bezahlbare Absicherung sicherstellst.
Krankenversicherung für Psychologen: Zwei Systeme mit vielen Unterschieden

Als Psycholog:in kannst du grundsätzlich aus den beiden Krankenversicherungssystemen wählen.
Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) funktioniert nach dem Solidarprinzip. Jeder Versicherte zahlt, abhängig vom Einkommen, einen monatlichen Beitrag. Alle Versicherten erhalten die gleichen Leistungen, unabhängig von der Höhe dieses Beitrags.
In der privaten Krankenversicherung richten sich die Beiträge nicht nach dem Einkommen, sondern nach den gewählten Leistungen, deinem Alter und eventuellen Vorerkrankungen. Die Leistungen kann dabei jeder Versicherte nach eigenen Wünschen wählen (1-Bett-Zimmer, Chefarztbehandlung, Selbstbeteiligung, usw.). Man spricht vom Äquivalenzprinzip.
Wer ist Pflichtmitglied in der GKV?
GKV-Pflichtmitglied sind alle Angestellten mit einem Einkommen unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG, 2026: 77.400 €). Außerdem zählen Studierende und Auszubildende zu den Pflichtmitgliedern, ebenso wie Psychotherapeuten in Ausbildung.
Wer ist freiwillig gesetzlich krankenversichert?
Wer mit seinem Einkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze (2026: 77.400 €) liegt oder selbstständig tätig ist, zählt zu den freiwilligen GKV-Mitgliedern. Sie haben die Wahl, ob sie weiterhin in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben möchten oder ob sie in die private Krankenversicherung wechseln.
Wichtig:
Wenn du selbstständig und freiwilliges GKV-Mitglied bist, hast du keinen Anspruch auf Leistungen wie Krankengeld oder Mutterschaftsgeld. Diese Versorgungslücke lässt sich durch eine Krankentagegeldversicherung schließen.
Wer kann in die private Krankenversicherung?
In die private Krankenversicherung können folgende Gruppen:
- Selbstständige unabhängig vom Einkommen
- Angestellte mit einem Bruttojahreseinkommen über JAEG (=77.400 € 2026)
- Beamt:innen
- Studierende
GKV-Leistungen im Überblick
Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung erstrecken sich über folgende Bereiche:
- Arztbesuche, Therapien, Krankenhausaufenthalte
- Medikamente, Reha, Vorsorge
- Schwangerschaft und Geburt
- Psychotherapie nach Richtlinienverfahren
Aber: Nicht alle Leistungen werden in voller Höhe von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Besonders bei Medikamenten und Hilfsmitteln (z. B. Bandagen, Gehstützen, Brillen, …) sind die Leistungen teils stark eingeschränkt oder sogar ausgeschlossen. Hohe Zuzahlungen sind keine Seltenheit und führen oft zu Frust bei den Versicherten.
Der Frust steigt weiter durch die etlichen Kürzungen im Leistungskatalog der letzten Jahre. Insbesondere auch die Leistungen im Bereich der zahnärztlichen Versorgung sollen, wenn es nach der derzeitigen Bundesregierung geht, konsequent weiter gekürzt werden. Aktuell (02/2026) steht sogar im Raum, zahnärztliche Leistungen generell nicht mehr von der GKV getragen werden sollen.
GKV mit privaten Zusatzversicherungen
Privat versichert in der gesetzlichen Krankenversicherung? Was erstmal unmöglich klingt, lässt sich aber zumindest teilweise erfüllen. Nämlich, in dem ich die Leistungen der GKV durch private Krankenzusatzversicherungen ergänze und so auf ein ähnliches Leistungsniveau wie in der PKV komme.
Für folgende Bereiche kann eine Krankenzusatzversicherung abgeschlossen werden:
- ambulante Zusatzversicherung
- stationäre Zusatzversicherung
- Zahnzusatzversicherung
- Krankentagegeldversicherung (insbesondere für selbstständige GKV-Versicherte ohne Krankengeldanspruch!)
Für alle Zusatzversicherungen muss vorab eine Gesundheitsprüfung erfolgen, sodass auch hier bestimmte Vorerkrankungen einen privaten Zusatzschutz unmöglich machen können. Die Kombination GKV + Zusatzversicherungen eignet sich also primär für GKV-Pflichtmitglieder, die keine Möglichkeit haben, in die PKV zu wechseln.
Allen freiwillig GKV-Versicherten würde ich immer zunächst den Wechsel in die PKV empfehlen. Nur wenn das nicht möglich ist, können ggfs. private Zusatzversicherungen ergänzt werden.
Selbstständige (freiwillig gesetzlich Krankenversicherte) haben keinen Anspruch auf Krankengeld. Daher ist hier eine Krankentagegeldversicherung unerlässlich, um bei längerer Arbeitsunfähigkeit gut abgesichert zu sein. Angestellte GKV-Versicherte können ebenfalls ein privates Krankentagegeld abschließen, um die Versorgungslücke, die bei Bezug von Krankengeld entsteht, zu schließen.
PKV-Leistungen im Überblick
Die Leistungen der PKV sind (zumindest in guten Tarifen) deutlich umfangreicher, als die Leistungen der GKV. Besonderer Vorteil der PKV: Du kannst die Leistungsbestandteile individuell wählen und dir somit deinen bestmöglichen Schutz zusammenstellen. Legst du zum Beispiel besonderen Wert auf ein Einzelzimmer im Krankenhaus, kannst du diesen Baustein wählen. Bist du eher der gesellige Typ und freust dich über ein Gespräch unter Leidensgenossen, reicht dir vielleicht ein 2-Bett-Zimmer-Tarif. Du zahlst also auch nur das, was du wirklich brauchst.
Als Privatpatient hast du zudem etliche weitere Vorteile:
- Freie Arztwahl, auch bei Privatärzt:innen
- Kürzere Wartezeiten auf Termine
- Höherwertige Versorgung (z. B. Chefarztbehandlung)
- Umfangreiche Zahnleistungen
- Erstattung alternativer Heilmethoden möglich
- Oft bessere Leistungen bei Psychotherapie
Wenn du gerade vor dem Wechsel in die PKV stehst und über die möglichen Leistungen nachdenkst: Die private Krankenversicherung begleitet dich (im besten Fall) den Rest deines Lebens. Überlege also auch, welche Leistungen du in 30-40 Jahren brauchen könntest (Zahnersatz, Reha-Maßnahmen, Hilfsmittel, …).
Grenzen der PKV
Es gib eine Hand voll Leistungen, die in der PKV nicht oder nur eingeschränkt greifen:
- Mutterschaftsgeld (nur in Kombination mit privatem Krankentagegeld oder anderen Leistungen)
- Kostenfreie Familienversicherung: Jedes Familienmitglied braucht einen eigenen Vertrag
- Beitragsfreiheit in Elternzeit (nur bei bestimmten Tarifen möglich)
Kinder in der PKV
Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es für Kinder von PKV-Versicherten keine kostenfreie Familienversicherung. Jedes Kind benötigt einen eigenständigen, kostenpflichtigen Vertrag. Nur in zwei Szenarien kann ein Kind von einem privat versicherten Elternteil in die kostenfreie Familienversicherung der gesetzliche Krankenversicherung:
Szenario 1:
- Die Eltern sind nicht verheiratet oder eingetragene Lebenspartner.
- Ein Elternteil ist PKV-versichert.
- Ein Elternteil ist GKV-versichert.
= Anspruch auf kostenfreie Familienversicherung in der GKV
Szenario 2:
- Die Eltern sind verheiratet oder eingetragene Lebenspartner.
- Ein Elternteil ist PKV-versichert.
- Ein Elternteil ist GKV-versichert.
- Das PKV-versicherte Elternteil hat ein Einkommen unterhalb der JAEG oder
- das GKV-versicherte Elternteil hat ein höheres Einkommen, als das PKV-versicherte Elternteil.
= Anspruch auf kostenfreie Familienversicherung in der GKV
Als Alternative zu einem kostenpflichtigen PKV-Tarif für das Kind ist eine kostenpflichtige GKV-Versicherung möglich. Preislich liegen beide Wege sehr nah beieinander. Jedoch profitiert das Kind natürlich ebenfalls von den besseren Leistungen in der PKV.
Ein gesundes Kind empfehle ich daher immer in der PKV zu versichern.
Gesundheitsprüfung – die Hürde zur privaten Krankenversicherung
Wenn Du in die private Krankenversicherung wechseln möchtest, prüfen die Versicherer Deinen Gesundheitszustand sehr genau. Dafür ist eine ausführliche Gesundheitsprüfung erforderlich. In der Regel musst Du alle Erkrankungen der letzten drei Jahre angeben – je nach Anbieter und Fragestellung auch weiter zurückliegende Behandlungen oder Diagnosen (5-10 Jahre).
Bestehen chronische Erkrankungen oder gab es in jüngerer Vergangenheit schwerwiegendere gesundheitliche Probleme, kann das zu Risikozuschlägen führen. Das bedeutet: Dein Beitrag fällt höher aus, als er bei vollkommen unauffälliger Gesundheit wäre.
Damit Du vor einem Antrag Klarheit hast, führe ich in solchen Fällen eine anonyme Risikovoranfrage durch. Dafür bereiten wir Deine Gesundheitshistorie strukturiert auf und übermitteln sie anonymisiert an die infrage kommenden Versicherer. Auf dieser Basis erhältst Du eine unverbindliche Einschätzung zu möglichen Annahmebedingungen und Beiträgen.
Anhand dieser Rückmeldungen kannst Du fundiert entscheiden, welcher Anbieter sinnvoll ist – oder ob ein Wechsel in die PKV aktuell (oder grundsätzlich) nicht empfehlenswert erscheint.
Die anonyme Voranfrage ist für Dich selbstverständlich kostenfrei und ohne Verpflichtung. Du erhältst eine individuelle Einschätzung, ohne dass Dir daraus Nachteile entstehen.
Optionstarif: Gesundheitszustand einfrieren
Erfüllst Du die Voraussetzungen für einen direkten Wechsel in die private Krankenversicherung aktuell noch nicht – zum Beispiel, weil Dein Einkommen unter der Grenze liegt oder Deine Selbstständigkeit erst geplant ist? Wenn Du dennoch perspektivisch in die PKV möchtest, gibt es eine sinnvolle Lösung.
Du kannst Deinen heutigen Gesundheitszustand bereits jetzt absichern. Über einen sogenannten Optionstarif wird dieser „konserviert“. Das bedeutet: Später, sobald Dein Einkommen passt oder Du den Schritt in die Selbstständigkeit vollzogen hast, kannst Du in eine private Krankenvollversicherung wechseln – ohne erneute Gesundheitsprüfung.
So sicherst Du Dir frühzeitig Deine aktuellen Gesundheitsverhältnisse und hältst Dir den späteren Wechsel offen.
Was kostet die Krankenversicherung für Psychologen?
In der gesetzlichen Krankenversicherung richtet sich Dein Beitrag nach Deinem Bruttoeinkommen. Der allgemeine Beitragssatz liegt bei 14,6 Prozent zuzüglich eines kassenindividuellen Zusatzbeitrags (bis zu etwa 3 Prozent). Daraus ergeben sich – je nach Einkommen – ein monatlicher Mindestbeitrag von rund 210 Euro und ein Höchstbeitrag von etwa 1.150 Euro (Stand 2025).
In der privaten Krankenversicherung wird der Beitrag dagegen nicht am Einkommen, sondern an Deinem Eintrittsalter, Deinem Gesundheitszustand sowie den gewählten Leistungen und Tarifbausteinen bemessen. Einfache Einstiegsvarianten beginnen bei ungefähr 300 Euro monatlich, leistungsstarke Tarife liegen – abhängig von Deinen Voraussetzungen – häufig ab etwa 600 Euro. Nach oben sind die Beiträge je nach Leistungsumfang offen.
Wichtig: Ein niedriger Beitrag bedeutet nicht automatisch eine gute Absicherung. Entscheidend sind die Vertragsbedingungen, Leistungsgrenzen und langfristige Stabilität des Tarifs. Lass Dir daher die Unterschiede zwischen Anbietern und Tarifoptionen genau erläutern.
Bist Du angestellt, übernimmt Dein Arbeitgeber sowohl in der gesetzlichen als auch in der privaten Krankenversicherung grundsätzlich die Hälfte Deines Beitrags. Diese Beteiligung gilt auch für bestimmte Zusatzbausteine, etwa zur Beitragsentlastung im Alter oder für mitversicherte Kinder. In der PKV ist der Arbeitgeberzuschuss allerdings auf maximal die Hälfte des Höchstbeitrags der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzt.
Als Selbstständige oder Selbstständiger trägst Du Deinen Krankenversicherungsbeitrag vollständig selbst.
Was ist besser – PKV oder GKV?
Welches System besser zu Dir passt, lässt sich nicht pauschal beantworten – sowohl die gesetzliche als auch die private Krankenversicherung haben ihre Vorteile und Einschränkungen. Entscheidend sind Deine persönliche Lebenssituation, berufliche Perspektive, gesundheitliche Voraussetzungen und auch familiäre Überlegungen.
Ein paar Fragen können Dir bei der Orientierung helfen:
- Planst Du langfristig selbstständig zu bleiben oder ist eine Anstellung möglich?
- Wie hoch ist Dein aktuelles und zukünftiges Einkommen?
- Möchtest Du Kinder mitversichern?
- Legst Du mehr Wert auf Planbarkeit oder auf Flexibilität?
- Wie schätzt Du Dein eigenes Gesundheitsrisiko ein?
Wichtig zu beachten: Die private Krankenversicherung ist kein Sparmodell. Billige Einstiegstarife mögen verlockend wirken, bieten aber langfristig oft nicht die notwendige Absicherung. Auch wenn Du derzeit jung und gesund bist und Leistungen nicht benötigst, werden diese im Laufe der Zeit wahrscheinlich wichtiger. Ein späterer Wechsel in einen besseren Tarif ist häufig nur eingeschränkt möglich.
Eine individuelle Beratung kann Dir helfen, die für Dich passende Entscheidung zu treffen.
Fazit: Krankenversicherung für Psychologen
Für Psycholog:innen gibt es keine pauschale Empfehlung, ob die gesetzliche oder private Krankenversicherung die „bessere“ Wahl ist. Entscheidend sind Deine persönliche Situation, Dein beruflicher Status, Dein Gesundheitsprofil und auch familiäre Planungen.
Die gesetzliche Krankenversicherung bietet Solidarschutz und stabile Leistungen, die Beiträge orientieren sich am Einkommen. Die private Krankenversicherung hingegen erlaubt eine individuelle Zusammenstellung der Leistungen, bietet meist besseren Service, höhere Versorgung und maßgeschneiderte Tarife – allerdings abhängig von Alter, Gesundheitszustand und gewählten Optionen.
Wichtig ist, die langfristigen Konsequenzen zu berücksichtigen: Beiträge in der PKV entwickeln sich über die Jahre, Zusatzversicherungen in der GKV können Versorgungslücken schließen, und die Gesundheitsprüfung sowie die Optionstarife können für Selbstständige entscheidende Vorteile bieten.
Letztlich lohnt sich eine individuelle Beratung, um die Vor- und Nachteile beider Systeme gegeneinander abzuwägen und eine Entscheidung zu treffen, die sowohl heute als auch in der Zukunft passend ist. So stellst Du sicher, dass Deine Absicherung als Psycholog:in stabil, fair und bedarfsgerecht ist.
