Krankenversicherung für Psychologiestudenten – viele Wege, viele Fragen
Als Student hast du in Deutschland verschiedene Möglichkeiten, dich zu versichern. Welche Krankenversicherung für Psychologiestudenten und -studentinnen die beste Lösung ist, erkläre ich dir in diesem Artikel. Lese alles nötige über die beiden Krankenversicherungssysteme in Deutschland und wie du den späteren Wechsel in die private Krankenversicherung schon jetzt in die richtigen Bahnen lenken kannst.
Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
Ein Großteil der Deutschen ist in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert. Sie funktioniert nach dem Solidarprinzip, d. h. jeder Versicherte zahlt einen Beitrag, der von seinem Einkommen abhängt. Der Mindestbeitrag liegt bei knapp 250 € und der Höchstbeitrag bei ca. 1200 €.
Die GKV hat (entgegen vieler Annahmen) einige Vorteile:
- kostenfreie Familienversicherung: Kinder unter 25 können beitragsfrei über einen gesetzlich Krankenversicherten Elternteil versichert sein
- keine Gesundheitsprüfung: In der gesetzlichen Krankenversicherung wird jedes Mitglied aufgenommen, unabhängig von Alter, Vorerkrankungen oder dergleichen
- Beiträge: besonders bei niedrigem Einkommen sind die Beiträge gering
Aber es gibt auch Nachteile:
- stark eingeschränkte Leistungen: viele Leistungen sind inzwischen stark eingeschränkt (zuletzt insbesondere die Leistungen der Zahnärzte), hohe Eigenanteile und steigende Anzahl an IGEL-Leistungen
- Beiträge: wer viel verdient, zahlt viel ein
- mangelnde Flexibilität: deine Leistungen kannst du nicht frei wählen, sie werden für alle Versicherten einheitlich festgelegt
- Wartezeiten: Besonders bei Fachärzt:innen und Psychotherapeut:innen sind die Wartezeiten auf Termine deutlich länger als für privat Versicherte.
Als Psychologiestudent:in bist du nicht zwangsläufig an die gesetzliche Krankenversicherung gebunden. Details dazu weiter unten.

Die private Krankenversicherung (PKV)
In der privaten Krankenversicherung kann jeder Versicherte seine Leistungen individuell wählen und zahlt dann abhängig von den gewählten Leistungen, dem Alter und dem Gesundheitszustand seinen monatlichen Beitrag (Äquivalenzprinzip). Das Einkommen spielt hierbei keine Rolle.
Daraus ergeben sich einige Vorteile:
- Bessere Leistungen: Chefarztbehandlung, 1-Bett-Zimmer, freie Arztwahl, … sind nur einige der möglichen Leistungspunkte der privaten Krankenversicherung
- Individuelle Tarife: Du kannst selbst wählen, welche Leistungen dir wichtig sind. Reicht dir die Behandlung vom Oberarzt zahlst du nicht extra für die Chefarztbehandlung.
- kürzere Wartezeiten, vor allem bei Fachärzt:innen
- Beitragsrückerstattung: Nicht beim Arzt gewesen? Dann gibt es in vielen Tarifen Geld zurück.
Die Nachteile der privaten Krankenversicherung:
- Gesundheitsprüfung: Wer in die PKV will, muss die Vorerkrankungen der letzten Jahre offenlegen. Diese können zu höheren Beiträgen oder sogar zur Ablehnung führen.
- Beiträge im Alter: Die Beiträge können im Alter deutlich ansteigen. Hier kann man jedoch mit Tarifoptimierung und Beitragsentlastungen entgegenwirken. Wichtig: professionelle Beratung!
- kein Zurück: Stimmt nicht ganz, aber der Weg zurück in die GKV geht häufig nur über Umwege.
- Mutterschaftsgeld und Krankengeld: Diese beiden sind Leistungen aus der GKV, die in der PKV nicht automatisch auch geleistet werden. Lässt sich aber mit einem Krankentagegeldtarif gut ausbessern.
Ein Wechsel in die private Krankenversicherung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich:
Du bist
- selbstständig oder
- hast als Angestellte:r ein Einkommen oberhalb der JAEG (77.400 € in 2026) oder
- Student/Studentin
- und aus gesundheitlicher Sicht versicherbar (Risikoprüfung)
Welche Krankenversicherung für Psychologiestudenten?
Bis zum 25. Lebensjahr kannst du als Psychologiestudent beitragsfrei in der Familienversicherung eines Elternteils bleiben (sofern diese gesetzlich Krankenversichert sind). Alternativ kannst du dich zu Beginn des Studiums von der Versicherungspflicht befreien lassen und in die private Krankenversicherung wechseln.
Wenn du älter als 25 Jahre bist (und unter 30) kannst du in die studentische Krankenversicherung (KVdS). Diese Mitgliedschaft ist kostenpflichtig und liegt zwischen 140 € und 160 € inkl. Pflegeversicherung. Die genaue Höhe hängt vom Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse ab. Der Grundbetrag von rund 87 € ist einheitlich festgelegt.
Wenn du über 30 bist, kannst du dich wiederum in der regulären gesetzlichen Krankenversicherung versichern. Die Beiträge richten sich dann nach dem Einkommen. Ist kein Einkommen vorhanden, wird der Mindestbeitrag (aktuell ca. 250 € pro Monat) fällig.
| Familienversicherung | PKV | KVdS |
|---|---|---|
| Höchstalter 25 | keine Altersbegrenzung | Alter: 25-30 |
| kostenfrei | 100-200 € | 140-160 € |
| keine Gesundheitsprüfung | Gesundheitsprüfung | keine Gesundheistprüfung |
| reguläre GKV-Leistungen | individuelle Topleistungen | reguläre GKV-Leistungen |
| Einkommen: max. Minijob | Einkommen: flexibel | Einkommen: flexibel |
Bedenke bitte, dass du dich an die Vorgaben hinsichtlich Arbeitszeiten, Einkommen etc. halten musst, damit du den Studentenstatus nicht verlierst.
Individuelle Entscheidung
Welches System in deinem konkreten Fall am besten geeignet ist, lässt sich hier pauschal nicht sagen. Am besten lässt sich dich unabhängig auf deinen ganz konkreten Fall beraten. Dabei spielen folgende Fragen eine wichtige Rolle:
- Wie sind die Eltern versichert? Ist die kostenfreie Familienversicherung möglich?
- Bin ich gesund (genug) für die PKV?
- Wie viel Einkommen möchte ich neben dem Studium erzielen?
- Möchte ich später in die PKV?
Warum gute Planung so wichtig ist
Natürlich macht man sich als Student:in lieber über andere Dinge Gedanken, als über die eigene Krankenversicherung. Aber: Wer etwas vorausschauend an die Sache heran geht, kann damit viele Wege für später ebnen. Die Krankenversicherung ist nämlich etwas, das dich dank der herrschenden Versicherungspflicht, ein Leben lang begleiten wird.
Daher möchte ich dir diese beiden Ratschläge mit auf den Weg geben:
1. Ratschlag: Optionstarif frühzeitig abschließen
Wenn du dir recht sicher bist, dass du später einmal selbstständig arbeiten möchtest oder bei ausreichendem Einkommen auch als Angestellte:r in die PKV wechseln möchtest, solltest du unbedingt frühzeitig einen Optionstarif abschließen. Dieser sichert dir deinen aktuellen Gesundheitszustand für einen schmalen monatlichen Beitrag (ca. 7-10 € für Studierende). Dann musst du beim späteren Wechsel keine erneute Gesundheitsprüfung durchlaufen. Diese ist nämlich für die meisten die größte Hürde beim Wechsel der Krankenversicherung.
2. Ratschlag: Anwartschaft abschließen
Hast du dich als Psychologiestudent bereits für die private Krankenversicherung entschieden, musst du in den meisten Fällen zum Berufsstart in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren, da dein Einkommen i. d. R. zunächst unterhalb der JAEG liegt.
Möchtest du später (Einkommen über JAEG oder Selbstständigkeit) wieder in die PKV wechseln, musst du ohne Anwartschaft wieder die komplette Gesundheitsprüfung durchlaufen. Eine kleine Anwartschaft sichert dir den Zugang zu deinem alten Tarif ohne erneute Gesundheitsprüfung (wichtig: NUR in den bisherigen Tarif, lohnt sich also nur dann, wenn der Studententarif taugt).
Die große Anwartschaft sichert den Gesundheitszustand und bildet gleichzeitig weiterhin Alterungsrückstellungen.
Fazit
Welche Krankenversicherung für Psychologiestudenten die richtige ist, ist eine sehr individuelle Frage. Aus finanzieller Sicht bietet sich in den meisten Fällen die kostenfreie Familienversicherung der GKV an. Ist diese nicht möglich, kannst du wählen zwischen der PKV und der KVdS. Eine individuelle Prüfung ist in jedem Fall empfehlenswert. Wenn du später in die PKV wechseln möchtest, kannst du mit einem Optionstarif schon jetzt die Weichen richtig stellen.
